Ursachen

Burnout-Ursachen

Es gibt natürlich Ursachen von Burnout-Depressionen, die tatsächlich in der Art der Arbeit (helfende Berufe oder Lehrer) und im Arbeitsumfeld liegen (Mobbing von Kollegen und Vorgesetzten, unmenschliche Arbeitsbedingungen etc).

BurnoutgefahrPositiver_StressAllgemeine_Lebensproblematik

 

 

 

 

 

 

Dies ist aber immer nur eine Seite der Medaille, denn meist ist die äußere Wahl des Berufs oder die Reaktion der Kollegen ein Spiegel der inneren Muster und Glaubenssätze.

Im Folgenden werde ich einige zugrunde liegende Burnout-Muster darstellen, die in der Kindheit entstanden sind.

 

Ich darf keine Schwäche zeigen oder haben!

Dies ist ein Muster, das nicht nur bei Männern zu finden ist. Hier glaubt der Betroffene bei Schwäche entwertet zu werden. Meist haben die Eltern dem Kind deutlich gemacht, wenn es Schwäche zeigt sei es nicht mehr liebenswert. Die Eltern selbst waren unheimlich hart zu sich und verlangten sich auch unter Schmerzen die volle Leistung ab. Freizeit wurde geradezu verachtet und Urlaub machten sie so gut wie nie.

 

Ich bin nicht liebenswert!

Dies ist die Mutter aller unheilvollen Glaubensätze. Diese kindliche Empfindung tragen sehr viele Menschen in sich. Es gibt dazu keine statistische Auswertung, aber viele erfahrene Therapeuten würden mir folgende These bestätigen: Es sind vielleicht 80% der Menschheit, die so, überwiegend unbewusst, über sich denken.

Dieser Satz: „Ich bin nicht liebenswert“ wird von den Burnout-Patienten meist auf folgende Weise zu Ende gebracht: „ Ich bin nur liebenswert, wenn ich etwas leiste.“ Die Eltern dieser Betroffenen haben in ihrer Erziehung großen Wert auf Leistung gelegt. Leistung wurde gelobt, Fehler oder Faulheit hatten Strafen zur Folge, die meist mit einem emotionalen Liebesentzug verbunden waren. Das Kind hat dadurch gelernt: „Wenn ich erfolgreich bin, erhalte ich Anerkennung, Liebe und Zuwendung.“

Eine besondere Blüte von „Ich bin nicht liebenswert“ kann der Glaubenssatz „Ich muss perfekt sein“ sein. Dies ist ein Glaubenssatz, der enorm viel Stress bereitet, da sich der Betroffene Leistung in Perfektion abverlangt. Hier waren die Eltern selbst schon Perfektionisten oder gar Lehrer.

 

Helfersyndrom:

Alle Menschen in helfenden Berufen, sollten sich nach einem Helfersyndrom erforschen. Das Helfersyndrom ist der Seitenwechsel weg von der eigenen Hilflosigkeit zum Helfer. Der Helfende selbst hat meist eine tiefe Not in der eigenen Kindheit erlebt und versucht unbewusst sich selbst zu heilen, in dem er anderen hilft. Der Betroffene hat eine Kindheit erlebt, die kaum eine andere Wahl zugelassen hat. Die Familiensituation sah ungefähr so aus: Ein Elternteil war krank, behindert, depressiv oder Alkoholiker. Besonders gewichtig ist es, wenn es die Mutter war. Das Kind wurde dadurch vernachlässigt, alleingelassen und war selbst oft hilflos. In seiner natürlichen Liebe zu dem Elternteil versucht das Kind, der Mutter oder dem Vater zu helfen und verdrängt dadurch unbewusst seine eigene Hilflosigkeit. So wurde das Helfersyndrom geboren.

Das gleiche kann passieren, wenn ein Geschwister schwer krank oder behindert war. Das führt oft dazu, dass das gesunde Kind emotional vernachlässigt wurde, aber dadurch Liebe und Anerkennung erhalten hat, wenn es für das kranke oder behinderte Geschwister aufopferungsvoll da war.

Eine andere Ursache für ein Helfersyndrom kann sein, dass die Eltern schon ein solches Verhalten vorgelebt haben. Wenn ein Elternteil selbst schon in der Kindheit für einen krankes Familienmitglied sorgen musste, haben sie ihren eigenen Kindern ein Beispiel an Selbstlosigkeit und Selbstverdrängung mitgegeben.

Ganz wichtig ist es zu verstehen: Es ist nicht schädlich oder ungesund anderen Menschen zu helfen, ganz im Gegenteil. Aber es ist schädlich, den eigenen Schmerz dadurch zu verdrängen. Die Lösung liegt also nicht darin, den Beruf für immer an den Nagel zu hängen, sondern sich mit dem eigenen Schmerz, der eigenen Hilflosigkeit, dem eigenen Verlassenheitsgefühl auseinander zu setzen.

 

Ich kann nicht vertrauen, deshalb muss ich alles selber machen!

Dies ist ein Muster, das dazu führt, dass man sich zu viel auf die Schultern lädt, weil man nichts abgeben kann. Hier ist der Betroffene als Kind oft enttäuscht worden. Er hat seine Eltern  als unzuverlässig und unbeständig erlebt und kann deshalb auch anderen Menschen wenig vertrauen. Oder die Eltern der Betroffenen konnten selbst niemandem vertrauen und haben dem Kind dieses Muster vorgelebt: „Du kannst niemandem vertrauen, außer Dir selbst.“ Ähnlich ist die Variante: „Keiner kann mir helfen, deshalb muss ich alles selber machen!“ Vernachlässigte Kinder, Kinder die wenig Unterstützung von ihren Eltern erhalten haben, kommen oft nicht auf den Gedanken, sich Hilfe zu holen. Als Arbeitnehmer oder Selbstständige können sie nichts abgeben und versuchen alles selbst zu stemmen. Nicht weil sie kein Vertrauen haben, sondern weil sie als Kind keine oder selten Hilfe erhalten haben.

 

Fehlgestrickte Lebensläufe:

Wer schon mal einen Pulli gestrickt hat, der kennt das vielleicht: Ganz am Anfang hat man sich verzählt und mit dem falschen Muster angefangen. Unbemerkt strickt man das falsche Schema fleißig weiter,  bis man, wenn es gut lief, irgendwann in der Mitte des Pullis gemerkt hat, dass der Pulli nicht passen wird. Wenn es ganz dumm lief, war der Pulli zu Ende gestrickt und erst beim ersten Anziehen merkte man das Fiasko, dass der Pulli völlig unbrauchbar ist. Um die verstrickte Wolle wenigstens zu retten, musste man den ganzen Pulli auflösen und von vorne beginnen. So ist es bei einem fehlgestrickten Lebenslauf auch.  Viele Burnout-Fälle sind fehlgestrickte Lebensläufe.

Da ist z. B. der kleine Georg. Georgs Mutter war Lehrerin, sie wollte ein intelligentes Kind. Ihr Blick und Wunsch, den sie auf Georg richtete, war: Er soll ein schlaues Kind sein, in der Schule immer vorne dran, möglichst der Beste. Georg hatte viele Begabungen: Er musizierte  oder er bastelte z. B. gerne in der Garage. Aber seine Mutter gab ihm das Gefühl, dass dies sind keine intellektuellen Tätigkeiten sind. Georg wollte, wie alle Kinder die Liebe, seiner Mutter und vergrub sich irgendwann nur noch in Büchern.

30 Jahre später (die Mitte des Pullis/Lebens) hatte Georg zwei Doktor-Titel und eine glänzende akademische Laufbahn vor und hinter sich, aber er war tief im Burnout. Nach einem langen schmerzhaften Selbstfindungsprozess, entdeckt er seinen tiefen Wunsch nach einem sinnlicheren Leben (dem totalen Gegenteil zu seinem intellektuellen beruflichen Leben). Er beginnt eine Schreiner-Ausbildung und hat sehr viel Freude an seiner neuen Tätigkeit, dem Geruch von Holz, dem Erschaffen mit seinen eigenen Händen.  …..

Kindheitsmuster zwingen uns immer in unpassende Pullis.  Sie führen dazu, dass wir unserem eigenen Wesen nicht treu bleiben können. Wir stricken den Pulli für die Liebe unserer Eltern, statt unsere eigenen Begabungen, Wünsche oder Träume zu leben.

So ist der Burnout ein Schrei der Seele, endlich den eigenen Pulli zu stricken. Wenn Du achtsam bist und Dich dabei selbst erkennst, ist der Burnout auch etwas Heilsames. Zuerst ist es mühsam. Der ganze Pulli muss bis zu dem Fehler (Muster,) bei dem alles anfing, aufgezogen werden. Es muss die Stelle gefunden werden, an der es begonnen hat, der falsche Pulli zu werden.

Du hast die Chance, von vorne anzufangen und den eigenen, passenden Pulli zu stricken. Hol Dir Hilfe, hol Dir einen Therapeuten, der Dich anleitet, zurück zu Dir selbst zu finden, damit Du Dir einen „glücklichen Pulli“, ein glückliches Leben „stricken“ kannst.

 

Moderne Lebensform = Digitaler Burnout

Auch dieses Thema ist sehr bedeutend, vor allem wenn man den Hintergrund betrachtet, dass die Erkrankung Burnout erst im digitalen Zeitalter ihren „Durchmarsch“ erlebt hat.

Inzwischen haben sich Internet, SMS, Email und WhatsApp zu enormen Zeitfressern entwickelt. Das Smartphone soll inzwischen den Besitzern schon 2-3 Stunden Tageszeit rauben. Ganze 63 Mal blickt der Smart-Phone-Besitzer durchschnittlich pro Tag auf sein Handy (Quelle: Focus. Titel: Digitaler Burnout, Ausgabe vom 22.04.2016). Aber warum soll das schädlich sein? Das macht doch meistens Spaß!

Um zu verstehen, was die digitalen Medien mit uns machen, müssen wir unser Gehirn verstehen. Unser Gehirn dient vielfältigen Aufgaben. Nichts geht ohne unser Gehirn. Um den Burnout-Mechanismus des modernen Zeitalters zu verstehen, betrachten wir das Gehirn auf 2 Ebenen: Einmal als Instrument, um die Außenwelt zu erfassen und ggf. darauf zu reagieren und zum anderen als Wahrnehmungsinstrument für Impulse aus unserem Inneren. Unter Wahrnehmungen aus dem Inneren versteh ich: Körperempfindungen, Gefühle, Eingebungen, Intuitionen, innere Stimme und das Spüren der eigenen Bedürfnisse.

Die moderne Gehirnforschung mittels EEG hat Folgendes zu Tage gefördert: Zur Erfassung der Außenwelt, zur Informationsverarbeitung produziert unser Gehirn schnellere Wellen. Dies sind Beta-Wellen (15-38 Hertz). Stress stellt sich übrigens im EEG als besonders hochfrequente Beta-Wellen dar. Impulse aus dem Innern, Intuitionen, Ahnungen etc. laufen im Gehirn niederfrequent ab (Alpha-Welle: 8-14 Hertz,  Theta-Wellen  4-7 Hertz etc.). 

gehirnwellenanimation

Dies hat evolutionsbedingt durchaus seinen Sinn, da Bedrohungen aus der Außenwelt wichtiger sind, als die Bedürfnisse des Inneren. Die Informations-Verarbeitung unserer Vorfahren hielt sich deutlich in Grenzen. Meist warf die Wahrnehmung der Außenwelt die Frage auf: „Ist das etwas Bedrohliches?“ Ein wildes Tier, ein Mitglied eines anderen Stammes, ein Baum der über mir zusammenbricht? Das Gehirn hat in vielen Jahrtausenden gelernt, von Wahrnehmung schnell auf Stress-Modus, d. h. Kampf- oder Fluchtmodus, umzustellen. Das heißt auch: Während man sich auf die Außenwelt konzentriert, ist die Wahrnehmung der Innenwelt unwichtig. Wenn wir also Informationen von außen verarbeiten, produziert unser Gehirn mehr schnelle Beta-Wellen und unsere niederfrequenten Wellen, der Gefühle, Intuitionen werden schwächer oder können wegen der Dominanz der Beta-Wellen nicht mehr wahrgenommen werden. Dies hat zur Folge, dass wir mit zunehmender Informationsverarbeitung immer stärker in die Selbstentfremdung gehen, weil wir den Kontakt nach Innen verlieren.

Schauen wir die enorme gesellschaftliche Entwicklung der Informationsverarbeitungsdichte der letzten 200 Jahre an:

Vor 200 Jahren: Der durchschnittliche Erwachsene konnte sich kaum eine Zeitung leisten. Informationen beschränkten sich auf mündliche Erzählungen. Bilder sah er gewöhnlich ein- bis zweimal pro Woche. Vielleicht befand sich ein Gemälde im Wirtshaus? Wenn dies nicht der Fall war, sah er wenigstens sonntags in der Kirche das eine oder andere Wandgemälde. Seine Arbeit war monoton. Er stand auf dem Feld oder in der Fabrik. Da die Abläufe immer gleich waren, hatte er auch bei der Arbeit viel Gelegenheit nach innen zu spüren und sich selbst wahrzunehmen.

Oktober 1923: Geburt des Radios. Der erste deutsche Rundfunksender nahm seinen Betrieb auf.

1960: In Deutschland gab es 3,5 Millionen-Fernseher. Nur 2 Programme, gesendet wurde nur abends.

1984: Die ersten privaten Fernsehsender kommen an den Start.

1990: Die Geschichte des Internet begann.

1995: Hatten etwa 3.7% der deutschen Haushalte einen Computer, um am Internet teil zu nehmen.

2007: Das erste bedeutende Smart-Phone kam auf den Markt.

2009: 6 Millionen Menschen hatten in Deutschland ein Smartphone.

2015: Es sind über 45 Millionen Deutsche, die ein Smartphone besitzen.

Heute haben knapp 90% der deutschen Haushalte einen Internet-Anschluss.

Ein Mensch zwischen 14 – 29 Jahren guckte in Deutschland 2015 durchschnittlich täglich 2,5 Stunden Fernsehen, hörte 2 Stunden Radio und war mehr als 3 Stunden pro Tag im Internet. D. h. 6,5 Stunden Medienkonsum pro Tag in dieser Altersstufe. (Quelle Statista)

Die Informationsdichte, die unser Gehirn verarbeiten muss stieg in den letzten Jahrzehnten enorm. Aber das Gehirn funktioniert im Betriebssystem immer noch wie vor 200 Jahren: Bei Informationen von außen verlieren wir den Kontakt nach innen. Die durch die Informationsverarbeitung nicht wahrgenommen inneren Impulse, Gefühle etc. führen zur Selbstentfremdung.

Wichtig ist für alle Burnout-Betroffenen und –Gefährdeten: Beschränke den Medienkonsum auf das Notwendigste, damit Du genügend Zeit und Raum hast, Dich selbst zu spüren und wahrzunehmen. Am klarsten wird die Selbstwahrnehmung in Ruhe und Stille.